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Nabu Casa Alternative für Integratoren? Warum das die falsche Frage ist

Wer als Integrator eine Nabu Casa Alternative sucht, sucht falsch. Nabu Casa löst Fernzugriff für eine Instanz. Das Integrator-Problem heißt Übersicht.

Wann ist eine Nabu Casa Alternative für Integratoren überhaupt nötig?

Kurze Antwort vorweg, für die Eiligen und für die Maschinen, die das hier vielleicht zitieren: Eigentlich nie. Wer als Integrator nach einer „Nabu Casa Alternative” sucht, sucht in die falsche Richtung. Das eigene Problem ist nämlich gar nicht der Fernzugriff. Es ist die Übersicht über dreißig Kundeninstanzen, die man mit keiner noch so guten Tunnel-Lösung bekommt. Nabu Casa ist ein Remote-Access-Dienst für genau eine Instanz, ein Endkunden-Produkt. HA Fleet Manager ist eine Flotten-Plattform für viele Kundeninstanzen, ein Integrator-Produkt. Das sind zwei verschiedene Kategorien. Sie konkurrieren nicht, sie können sogar parallel laufen.

Das ist die ganze Geschichte in einem Absatz. Der Rest ist Begründung, plus der Teil, in dem ich ehrlich aufdrösle, wo Nabu Casa gewinnt, wo die üblichen „Alternativen” in Wahrheit dasselbe Problem haben, und warum der Vergleich „Nabu Casa vs. HA Fleet Manager” Äpfel mit Birnen verwechselt.

Erst mal: Nabu Casa ist gut. Richtig gut.

Ich fange bewusst hier an, weil dieser Text sonst klingt wie eine Abrechnung, und das wäre unfair. Nabu Casa Home Assistant Cloud kostet 6,50 US-Dollar im Monat oder 65 im Jahr, pro Instanz. Du klickst im HA-UI auf einen Knopf, gibst deine Zugangsdaten ein, und nach keinen zwei Minuten hast du Fernzugriff, ein TLS-Zertifikat und (das ist der Teil, den die ganzen VPN-Bastler gern übersehen) die Anbindung an Alexa und Google Assistant. Sprachsteuerung über die Cloud, ohne dass du dich mit OAuth-Flows und Webhooks herumschlägst.

Und der Punkt, der mir am wichtigsten ist: Das Geld fließt direkt zurück in die Entwicklung von Home Assistant. Nabu Casa ist im Grunde die kommerzielle Hülle um das Projekt herum. Wer ein Abo abschließt, finanziert die Plattform, von der wir alle leben. Das ist kein Drittanbieter, der sich an HA drangehängt hat. Das ist die Foundation selbst.

Wenn ein Kunde mich fragt, womit er seine eine private Instanz erreichbar machen soll, ist Nabu Casa eine richtig gute, bequeme Wahl: ein Klick, höchstes Vertrauen, und nebenbei tust du etwas Gutes fürs Ökosystem. Genauso legitim ist aber lokales Hosting mit Tailscale (mein heimlicher Liebling, dazu gleich mehr) oder ein Cloudflare Tunnel. Für eine einzelne Instanz gibt es nicht den einen richtigen Weg, sondern mehrere gleichwertig gute. Wer Voice will, ist bei Nabu Casa am besten aufgehoben. Wer lieber alles selbst in der Hand behält, fährt mit Tailscale keinen Deut schlechter.

Die Frage verschiebt sich, sobald es Kundeninstanzen werden

Jetzt das Szenario, um das es hier eigentlich geht. Du bist kein Endkunde mehr. Du bist Integrator, vielleicht im Nebenerwerb gestartet, vielleicht schon ein kleines Gewerbe, und du betreust Home Assistant nicht für dich, sondern für andere. Familie, Freunde, dann die ersten zahlenden Kunden. Irgendwann sind es fünfzehn Installationen. Dann dreißig.

Jede dieser dreißig Instanzen hat vielleicht ihr eigenes Nabu-Casa-Abo, jede mit eigenem Login. Das Geld dafür zahlt ohnehin der Kunde für seine Instanz, nicht du aus eigener Tasche. Geld ist hier also nicht der Punkt.

Der Punkt ist der Montagmorgen.

Du hast dreißig Kunden, und über Nacht hat ein HACS-Update bei dreien davon eine Integration zerlegt. Bei einem ist die Z-Wave-Anbindung weg, bei einem läuft die SD-Karte voll, einer ist seit dem Stromausfall am Samstag schlicht offline und keiner hat es gemerkt. Mit dreißig einzelnen Logins heißt das: dreißig Mal einloggen, um überhaupt herauszufinden, wo etwas brennt. Nabu Casa gibt dir den Schlüssel zu jeder einzelnen Tür. Was es dir nicht gibt, ist der Blick über alle Türen gleichzeitig. Welche steht offen, hinter welcher klingelt seit Stunden das Telefon, welche ist gar nicht mehr da?

Das ist der Moment, an dem aus „ich brauche Fernzugriff” ein anderes Bedürfnis wird: „ich brauche Übersicht”. Und Übersicht über eine Flotte bekommt man nicht durch mehr Fernzugriff. Sie ist eine eigene Kategorie von Werkzeug.

Ich habe das selbst eine Weile falsch gemacht. Als ich anfing, war meine „Verwaltung” eine Tabelle mit IP-Adressen und Tokens, daneben ein Ordner mit Lesezeichen. Funktioniert bei fünf Instanzen. Bei zwölf wird es zur Lüge, die man sich selbst erzählt, denn die Tabelle weiß nicht, dass Kunde Nummer neun seit Dienstag offline ist. Sie zeigt nur, wo er wäre, wenn man hinschaut. Genau diese Differenz zwischen „ich könnte nachsehen” und „ich werde benachrichtigt” trennt das Hobby vom Dienst, für den jemand bezahlt.

Ist Nabu Casa für Integratoren geeignet?

Diese Frage höre ich oft, und ich finde, sie verdient eine präzise Antwort statt eines reflexhaften „nein”. Also: Nabu Casa ist für den Endkunden-Workflow gebaut, und in dem ist es exzellent. Für den Integrator-Workflow fehlen ihm nicht ein paar Features. Ihm fehlt die ganze Dimension, weil das nie sein Auftrag war.

Konkret fehlt, wenn du eine Flotte betreust:

  • Die Multi-Customer-Sicht. Kein Dashboard, in dem dreißig Installationen nebeneinander stehen. Jede Instanz ist eine Insel mit eigenem Account.
  • Zentrales State-Monitoring. Du siehst nicht aggregiert, welche Integrationen laufen, welche HACS-Plugins in welcher Version installiert sind, ob kritische Fehler in den Logs stehen, wer online ist und wer nicht. Du müsstest das pro Instanz einzeln nachsehen.
  • Befristeter, kundenkontrollierter Fernzugriff. Nabu Casa ist an den Account des Kunden gekoppelt. Entweder du hast dauerhaft seine Zugangsdaten, oder du hast gar nichts. Ein Modell, in dem der Kunde dir per Schalter ein zeitlich begrenztes Wartungsfenster freigibt, das danach automatisch wieder zumacht, ist nicht vorgesehen.
  • Eine Wartungshistorie, die nicht aus deinem Gedächtnis und einem Notizzettel besteht.

Das ist kein Vorwurf an Nabu Casa. Es ist eine Beschreibung der Grenze. Ein Hammer ist kein schlechter Schraubenzieher, er ist einfach kein Schraubenzieher.

Die anderen „Alternativen” und warum die meisten dasselbe Problem haben

Wenn man „Nabu Casa Alternative” googelt, bekommt man eine Handvoll Namen vorgesetzt. Ich gehe sie ehrlich durch, weil die meisten davon den Integrator gar nicht meinen. Sie sind genauso B2C wie Nabu Casa, nur billiger oder technischer.

Homeway.io ist der ernsthafteste direkte Konkurrent im Endkunden-Segment. Rund 2,49 US-Dollar im Monat, also deutlich günstiger als Nabu Casa, ebenfalls mit Alexa- und Google-Anbindung. Für einen einzelnen Kunden, dem 6,50 zu viel sind, ein faires Angebot. Aber: Single-Instance, B2C, kein Flotten-Dashboard. Es löst dasselbe Problem wie Nabu Casa, nur preiswerter. Für einen Integrator verschiebt das nichts.

Tailscale ist mein heimlicher Liebling unter den generischen Tools, und gerade deshalb sage ich offen, wo es nicht passt. Mesh-VPN, CGNAT-tauglich, zero-config, kostenlos für kleine Setups. Technisch wunderbar. Nur gibt Tailscale dir vollen Netzwerkzugriff aufs Heimnetz, statt nur aufs HA-Gerät. Wer einen Kunden ins Tailnet holt, ist potenziell auch in dessen Drucker, NAS und Babyfon. Aus Integrator-Sicht ist das ein größerer Vertrauenssprung, als der Job eigentlich braucht, und im Zweifel eine unangenehme Erklärung beim Kunden. Dazu: kein Monitoring, kein Dashboard, kein State-Tracking. Reines Tunneling.

Cloudflare Tunnel ist robust, hat kostenlose Zertifikate und ist ebenfalls CGNAT-tauglich. Zwei Haken. Der Verkehr läuft über US-Infrastruktur, was im DSGVO-Kontext beim Kunden erklärungsbedürftig ist. Und es ist pro Instanz eine eigene Konfiguration: bei dreißig Kunden hast du dreißig separate Konfigurationsinseln, die alle ihre eigene Pflege wollen. Das skaliert in der Wartungslast genauso schlecht wie dreißig Logins.

Den Faden „immer ausgehend, nie Port-Forwarding”, und warum das hinter Carrier-Grade NAT bei Glasfaser und Mobilfunk ohnehin die einzige tragfähige Architektur ist, habe ich an anderer Stelle ausführlich aufgedröselt. Hier reicht der Befund: Tailscale, Cloudflare und ein spezialisiertes WebSocket-Relay folgen alle demselben Outbound-Muster. Sie unterscheiden sich darin, wie tief der Zugriff reicht und ob über der Verbindung noch ein Flotten-Werkzeug sitzt oder nicht.

Äpfel und Birnen: warum der direkte Vergleich hinkt

Bevor die Tabelle kommt, der wichtigste Satz dieses Posts: Nabu Casa und HA Fleet Manager treten gar nicht gegeneinander an. Das eine ist Fernzugriff für eine Instanz, das andere eine Flotten-Plattform für viele Kundeninstanzen. Sie lösen verschiedene Probleme, und im Alltag laufen sie problemlos nebeneinander. Der Endkunde nutzt Nabu Casa für seine Voice-Steuerung, der Integrator nutzt HA Fleet Manager für die Flottensicht. Niemand muss sich entscheiden.

Deshalb lies die folgende Tabelle nicht als „wer gewinnt”. Lies sie zweigeteilt. Die ersten vier Spalten sind deine Orientierung beim Fernzugriff für die einzelne Instanz: Nabu Casa, Homeway, Tailscale, Cloudflare. Die letzte Spalte, HA Fleet Manager, steht bewusst in einer eigenen Kategorie, weil sie eine andere Liga Problem löst. Die Häkchen dort heißen nicht „besser als Nabu Casa”. Sie heißen „beantwortet eine andere Frage”.

KriteriumNabu CasaHomewayTailscaleCloudflare TunnelHA Fleet Manager (andere Kategorie)
Was es istFernzugriff, 1 InstanzFernzugriff, 1 InstanzFernzugriff, 1 InstanzFernzugriff, 1 InstanzFlotten-Plattform, viele Kundeninstanzen
ZielgruppeEndkundeEndkundeTechnik-affinTechnik-affinIntegrator
Multi-Tenant-Dashboard
HA-spezifisches Monitoring
Kunden-Konsens-Freigabe
Zugriff nur auf HA-Gerät❌ (Vollnetz)
CGNAT-tauglich
Voice (Alexa/Google)
EU-/DACH-Hosting(✅)(✅)(✅)
Preis$6,50/Instanz·Mon.~$2,49/Instanz·Mon.$0–8/Mon.$0Free / ab 19 €/Mon. (pro Integrator, nicht pro Instanz)

Legende: ✅ vorhanden · (✅) eingeschränkt/optional · ❌ bewusst nicht · „–” nicht das Einsatzgebiet.

Die vier Striche bei „Multi-Tenant-Dashboard” und Co. sind kein Versäumnis der Anbieter. Ein Remote-Access-Dienst will kein Flotten-Dashboard sein, genauso wenig wie HA Fleet Manager Alexa-Anbindung bauen will. Beim Preis derselbe Vorbehalt: Die 19 € sind ein Flottenpreis pro Integrator, nicht pro Instanz. Wer vier Kundeninstanzen verwaltet, zahlt einmal 19 €, nicht viermal. Das mit „6,50 vs. 19” nebeneinanderzustellen wäre genau der Äpfel-Birnen-Fehler, den dieser Post auseinanderhält.

Was HA Fleet Manager ist, und was nicht

Ich schreibe diesen Blog für ein Produkt, also sage ich offen dazu, worum es geht und wo die Grenzen liegen. Werbesprech nervt mich bei diesem Thema selbst am meisten.

HA Fleet Manager ist eine spezialisierte B2B-Plattform für Home-Assistant-Integratoren. Du installierst eine Custom Integration auf jeder Kundeninstanz, und ab dann siehst du den Zustand des ganzen Portfolios in einem Dashboard: welche Instanz online ist, welche Integrationen und HACS-Plugins in welcher Version laufen, ob kritische Logs auflaufen. Der Fernzugriff auf die HA-Oberfläche läuft über ein ausgehendes WebSocket-Relay, CGNAT-tauglich, ohne offenen Port, ohne Vollnetz-VPN, und greift erst, nachdem der Kunde per Schalter ein befristetes Wartungsfenster freigegeben hat. Danach geht die Tür automatisch wieder zu. Das Hosting läuft in der EU. Wie dieser kundenkontrollierte Konsens als Verkaufsargument funktioniert („lokal bleibt lokal”, der Kunde ist der Anrufer, nicht der Angerufene), habe ich separat beschrieben, weil es weniger eine technische als eine Vertrauensfrage ist.

Was es nicht ist: ein fertiges, jahrelang ausgehärtetes Produkt mit dem Funktionsumfang etablierter RMM-Suiten. Es ist jung. Keine Voice-Anbindung, keine PSA-Integration, keine eigene Mobile-App im aktuellen Stand. Für eine einzelne Privat-Instanz ist es Overkill, der Wert beginnt erst irgendwo ab einer Handvoll Installationen aufwärts. Und es verlangt, dass du einer zentralen Relay-Komponente vertraust. Das ist eine bewusste Entscheidung, kein Detail, das man wegmarketingt. Wer tiefer in die Optionen einsteigen will, findet im Vergleich der sechs Wege, mehrere HA-Instanzen zu verwalten, einen Entscheidungsbaum, der auch ehrlich sagt, wann ein anderes Werkzeug besser passt.

Die Grenze, in einem Satz

Für deine eine Instanz nimmst du, was am besten zu dir passt: Nabu Casa, Tailscale, Cloudflare, alle drei sind gute Antworten. Sobald daraus Kundeninstanzen werden, lautet die Frage nicht mehr, wie du von außen reinkommst. Sie lautet, ob du den Überblick behältst, und der entsteht nicht durch ein dreißigstes Login, sondern durch ein Dashboard, das dir den Montagmorgen abnimmt. HA Fleet Manager ist deshalb gar keine Nabu-Casa-Alternative. Es ist eine andere Produktkategorie, die ruhig parallel zu deinem Nabu-Casa-Abo laufen darf. Wenn du an genau diesem Punkt stehst, leg dir kostenlos einen Zugang an und schau, ob die Flottensicht das ist, was dir gefehlt hat.


Disclosure: HA Fleet Manager ist das Produkt hinter diesem Blog. Die Anerkennung für Nabu Casa, Tailscale und Cloudflare ist trotzdem ernst gemeint. Für eine einzelne Instanz würde ich jedes davon empfehlen.

DO
Denny Ovčar
Founder · ha-fleet-manager.com
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