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Fünf Jahre haften, zwei Jahre Garantie: was Smart-Home-Hardware wirklich aushält

Gewährleistung, Herstellergarantie und reale Haltbarkeit von KNX, Loxone, Shelly, ESP32 und Raspberry Pi. Mit Quellen, Gegenstimmen und der Lücke, die zwischen Recht und Datenblatt klafft.

Fünf Jahre haften, zwei Jahre Garantie: was Smart-Home-Hardware wirklich aushält

Die Rechnung, die keiner aufmacht

Ein Kunde ruft an, weil im Wohnzimmer seit dem Wochenende nichts mehr schaltet. Die Anlage ist dreieinhalb Jahre alt, sauber gebaut, nie Ärger gehabt. Du fährst hin, tauschst das Bauteil, fährst zurück. Zwei Stunden Arbeit, Anfahrt, Material. Und irgendwann auf der Rückfahrt kommt der unangenehme Gedanke: Wer bezahlt das eigentlich?

Nicht der Hersteller. Dessen Garantie ist abgelaufen. Der Kunde vielleicht auch nicht, weil er sich auf eine Frist beruft, die noch läuft. Bleibst du.

Das ist die Lücke, um die es hier geht. Ein Integrator braucht drei Zahlen, die nirgends nebeneinander stehen: Wie lange hafte ich? Wie lange haftet der Hersteller mir gegenüber? Und wie lange hält das Ding wirklich? Die erste steht im Gesetz, die zweite auf der Herstellerseite, die dritte kennt niemand. Was folgt, ist der Versuch, alle drei für die fünf Geräteklassen zusammenzutragen, mit denen man in Deutschland realistisch zu tun hat: KNX, Loxone, Shelly, ESP32-Eigenbau und den Raspberry Pi als Zentrale.

Vorab drei Einschränkungen, die den Rest des Textes tragen. Alle Garantieangaben sind Stand August 2026 und können sich jederzeit ändern; im Zweifel die verlinkte Herstellerseite prüfen. Die Haltbarkeitsberichte stammen zum großen Teil aus Community-Foren, das sind Anekdoten und keine Statistik. Und der Rechtsteil ist keine Rechtsberatung, sondern ein Überblick für das eigene Nachdenken.

Gewährleistung ist nicht Garantie, und der Unterschied kostet Geld

Die beiden Begriffe werden im Alltag munter vermischt, dabei haben sie kaum etwas miteinander zu tun.

Gewährleistung ist gesetzlich. Sie richtet sich gegen den Verkäufer, also im Kundenverhältnis gegen dich, und gegenüber Verbrauchern lässt sie sich nicht wegvereinbaren. Garantie ist eine freiwillige Zusage des Herstellers. Er bestimmt selbst, was drinsteht und wie lange sie läuft. Kein Hersteller ist verpflichtet, eine zu geben.

Die Fristen stehen in § 438 BGB: zwei Jahre bei Waren, und fünf Jahre bei einer Sache, die „entsprechend ihrer üblichen Verwendungsweise für ein Bauwerk verwendet worden ist”. In Sonderfällen sind es dreißig. Eine gut lesbare Erläuterung dazu findet sich beim Juraforum, einen Praxisblick aus Handwerkersicht hier.

Die spannende Frage ist natürlich, wann ein Smart-Home-Bauteil ein Bauwerksteil ist. Und die ehrliche Antwort lautet: kommt drauf an. Elektroinstallation im Neubau gilt breit als Bauwerksleistung. Ein oberflächlich montierter Funksensor oder reine Software eher nicht. Dazwischen liegt viel Grauzone, und wer wissen will, wie ausführlich über solche Einordnungen gestritten wird, schaue sich den Analogfall Photovoltaik an, wo die Handwerkskammer die gerichtliche Diskussion um die Fünfjahresfrist zusammengefasst hat.

Als Arbeitshypothese fürs Angebot taugt trotzdem eine schlichte Faustregel: Je tiefer das Gerät in der Elektroinstallation steckt, desto eher landest du bei fünf Jahren. Ein Aktor in der Unterverteilung ist ein anderer Fall als ein Zigbee-Fenstersensor, den man mit dem Fingernagel abhebeln kann. Wenn bei dir viel Geld dranhängt, frag deinen Anwalt und nicht einen Blogpost.

Ach ja, und für die Leser aus AT und CH: dort gelten andere Fristen. Das habe ich nicht recherchiert und behaupte deshalb nichts dazu.

Wo die Lücke entsteht

Jetzt legt man beides übereinander. Angenommen, ein fest in die Installation eingebautes Relais fällt beim Kunden unter die Fünfjahresfrist. Die Herstellergarantie darauf beträgt, je nach Marke, zwei oder drei Jahre. Vom Ende des dritten Jahres an fährt jeder Austausch auf deine Rechnung: Gerät, Anfahrt, Arbeitszeit, und der schöne Nebeneffekt, dass ein Kunde beim dritten Serviceeinsatz anfängt, das System als Ganzes in Frage zu stellen.

Bei einem Kunden ist das ein Ärgernis. Bei vierzig Kunden mit je fünf betroffenen Geräten ist es eine Position in der GuV, die niemand geplant hat.

KNX: kurze Garantie, sehr lange Systemlebensdauer

KNX ist der interessanteste Fall, weil die beiden Zahlen so weit auseinanderliegen.

Auf der Garantieseite ist wenig Spektakuläres zu holen. MDT gibt drei Jahre Produktgarantie und betont die Fertigung in Engelskirchen, was die KNX Association aufgegriffen hat. Bei anderen Marken ist die Lage uneinheitlich. Gira etwa hatte eine befristete Registrierungsaktion für HomeServer und FacilityServer, mit der sich die Frist auf insgesamt fünf Jahre verlängern ließ; die Aktion ist ausgelaufen, und eine allgemeine Herstellergarantie über die gesetzliche Frist hinaus habe ich nicht gefunden. Also sage ich auch nicht, dass es sie gibt oder nicht gibt. Wer im KNX-User-Forum den Sammelthread zu Produktgarantien liest, sieht schnell: Das ist ein Feld, auf dem jeder Hersteller sein eigenes Ding macht.

Die eigentliche Stärke von KNX steht in keinem Garantieheft. Der Standard geht auf den EIB von 1990 zurück, erste Produkte kamen 1991, und Kompatibilität nach hinten ist Teil der Norm. ETS6 wirbt mit dreißig Jahren Rückwärtskompatibilität und kann Geräte aus der EIB-Zeit weiterhin parametrieren.

Das ist die Unterscheidung, auf die es beim Beraten ankommt, und ich halte sie für den wichtigsten Gedanken dieses ganzen Textes: Niemand behauptet, dass ein einzelnes Gerät dreißig Jahre durchhält. Behauptet wird, dass es in dreißig Jahren noch ersetzbar und konfigurierbar ist. Systemlebensdauer schlägt Gerätelebensdauer. Ein Aktor, der nach zwölf Jahren stirbt, ist ein Zwanzig-Minuten-Job, solange es Nachfolger gibt, die derselbe Bus versteht. Ein Gerät aus einem eingestellten Ökosystem ist auch nach zwölf Jahren tot, nur dass dann die halbe Anlage mitstirbt.

Verschleiß gibt es natürlich trotzdem, und er ist erfreulich vorhersagbar, weil er mechanisch ist. In einem Thread zur Lebensdauer von Schaltaktoren diskutieren die Nutzer nicht die Buselektronik, sondern die Relais. Dort wird von Jung-Aktoren berichtet, die mit 15.000 Schaltzyklen getestet wurden, was bei zweimal Schalten pro Tag rechnerisch auf rund zehn Jahre hinausläuft. Als zweite Ausfallursache werden ausgetrocknete Elektrolytkondensatoren in älterer Elektronik genannt. Beim Gebrauchtkauf ist der Tenor im Thread ziemlich eindeutig: BCUs, Binäreingänge und Tasterschnittstellen gelten als unkritisch, bei Schaltaktoren wird abgeraten, weil man die Vorgeschichte der Relais nicht kennt.

Die Datenblätter selbst nennen deutlich größere Zahlen, aber immer lastabhängig; bei reduzierter Last sind sechsstellige Schaltspielangaben üblich, siehe etwa das MDT-Datenblatt zur AKS-Reihe. Wer verstehen will, warum die Spanne so groß ist, findet den Hintergrund in den technischen Erläuterungen zu Relais von Finder: Einschaltstromspitzen bei kapazitiven Lasten fressen Kontakte schneller als eine gemütliche ohmsche Last.

Daraus folgt ein Satz, den ich mittlerweile in jedes Beratungsgespräch einbaue: Die Last bestimmt die Lebensdauer, nicht das Preisschild. Ein Aktorkanal an einer Reihe LED-Treiber altert anders als der Nachbarkanal an einer Steckdose. Wer bei der Planung die kritischen Kanäle bewusst verteilt, verschiebt den ersten Servicefall um Jahre.

Loxone: klare AGB, bekannte Schwachpunkte, eine faire Einordnung

Bei Loxone ist die Vertragslage angenehm nachlesbar. In den internationalen AGB (abgerufen am 13.08.2026) stehen 24 Monate für Neuware, wobei der Mangel bei Gefahrübergang vorhanden und innerhalb dieser 24 Monate erkennbar sein muss. Verschleißteile sind kürzer angesetzt: Akkus sechs Monate, LCD-Displays zwölf. Softwaremängel müssen reproduzierbar und binnen vier Wochen schriftlich gerügt werden, Ansprüche verfallen drei Monate nach Fristablauf, und bei unberechtigter Reklamation wird eine Bearbeitungspauschale von 20 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer genannt. Eine Zusage zur Interoperabilität mit Fremdprodukten gibt es ausdrücklich nicht. Eine separate, darüber hinausgehende Herstellergarantie habe ich in den AGB nicht gefunden; ich behaupte deshalb weder, dass es sie gibt, noch das Gegenteil.

Loxone selbst wirbt mit der Fertigungsqualität und einem vollautomatischen Test jedes Geräts. Das ist Herstellerkommunikation, und als solche zitiere ich sie hier. Praktisch relevant ist außerdem der Vertriebsweg: gekauft wird über autorisierte Partner, Graumarktware steht ohne Garantie und Support da.

Interessanter wird es bei dem, was die Community berichtet. Zwei Themen tauchen immer wieder auf.

Das erste ist die Speicherkarte. Das LoxWiki dokumentiert das ausführlich: Bis Firmware 4.x gab es viele Miniserver-Ausfälle durch scheinbar defekte microSD-Karten, als Ursache wurden softwareseitige Dateisystemschäden durch Timing-Probleme bestätigt. Seit Firmware 5.x ist das laut Wiki nicht mehr bekannt, rund um Version 9.0 häuften sich dann erneut Meldungen im Zusammenhang mit Updates. In der Community kursiert die Schätzung, in etwa neunzig Prozent der Fälle sei nicht der Miniserver defekt, sondern die Karte, weshalb sich ein Kartentausch vor dem Gerätetausch lohnt. Das ist eine Community-Schätzung und kein Messwert, aber als Reihenfolge fürs Vorgehen ist sie brauchbar und spart im Zweifel ein teures Ersatzgerät. Wer eine Karte retten muss, findet im Wiki eine Anleitung zur Datenrettung, und es gibt einen lesenswerten Praxisbericht dazu. Aus derselben Community stammt übrigens auch der Gegenbeleg: Karten, die neun Jahre klaglos liefen.

Das zweite Thema sind Netzteile. Im loxforum finden sich mehrere Threads über frühe Ausfälle des 100-W-Netzteils, hier einer, hier ein zweiter. Ein Nutzer beschreibt ein Gerät, das nach 48 Stunden mit lautem Knall ausfiel und sechs Wochen auf Ersatz warten ließ; ein anderer berichtet von drei Netzteilen aus derselben Charge, die binnen Tagen starben.

Und jetzt die Einordnung, die zwingend dazugehört, weil sie in denselben Threads steht: Ein erheblicher Teil dieser Ausfälle wird dort auf indirekte Blitzeinwirkung, Überspannung und fehlenden Potentialausgleich zurückgeführt, also auf die Installationsumgebung. Loxone fertigt diese Netzteile zudem nicht selbst. Wer aus solchen Threads „Loxone-Netzteile taugen nichts” destilliert, liest sie schlecht. Die fairere und für die eigene Arbeit nützlichere Lesart lautet: Ein Schaltnetzteil ist ein Bauteil, das auf die Qualität der Elektroinstallation reagiert, und Überspannungsschutz ist kein Aufpreis-Gimmick.

Bleibt das Systemrisiko, das man dem Kunden vorher sagen sollte: Fällt die zentrale 24-Volt-Versorgung aus, steht die Anlage. Wie sich das anfühlt und wie andere damit umgehen, diskutieren die Threads zu den Auswirkungen eines Miniserver- oder Extension-Ausfalls und zum Notfallszenario Miniserver defekt. Wie ein konkreter Gewährleistungsfall aus Integratorensicht abläuft, zeigt ein Thread über einen defekten Kanal einer Dimmer-Extension. Alles beherrschbar, wenn man die Schwachpunkte kennt und ein, zwei Ersatzteile im Regal hat.

Shelly: gute Garantie auf dem Papier, extreme Streuung im Feld

Der Hersteller hinter Shelly ist Allterco Robotics EOOD aus Sofia. Die Garantiestaffelung liest sich laut offizieller Garantieseite so: drei Jahre auf Plus, Wave, Gen3 und Gen4, fünf Jahre auf Pro und Wave Pro, zwei Jahre auf alles Übrige. Fristbeginn ist das Kaufdatum laut Beleg, und die Deckung bezieht sich auf die Hardware, nicht auf Verbrauchsmaterial wie Akkus oder auf Zubehör wie Bänder, Kabel und Aufkleber. Nachlesen lässt sich das auch in den AGB, in den deutschsprachigen Garantiebedingungen im Handbuch und in der Zusammenfassung eines Händlers. Weil sich so etwas ändern kann, im konkreten Fall bitte die Herstellerseite prüfen, nicht diesen Absatz.

Fünf Jahre auf die Pro-Linie ist, gemessen an dem, was die anderen hier geben, ein starkes Versprechen. Es deckt sogar den Fünfjahresfall aus dem Rechtsteil ab. Das ist der Punkt, an dem man Shelly ehrlicherweise loben muss.

Und dann kommt das Feld.

Die Threads im Shelly-Forum zur Lebensdauer, zur Haltbarkeit und zum Umgang damit und zum gewerblichen Einsatz beschreiben ein über die Threads hinweg auffallend gleichförmiges Fehlerbild: Das Relais schaltet weiter, aber das WLAN kommt nicht mehr hoch. Als Ursache wird in der Community ein alternder Elektrolytkondensator genannt; ein Nutzer erwähnt einen Beutel defekter 100-µF-Elkos eines Billigherstellers, ein anderer schreibt, er habe grob geschätzt etwa 200 Shelly 2.5 repariert. Genannt werden vor allem der 2.5, dazu 1PM, 1, Dimmer und Dimmer 2, RGBW2 und Uni. Der berichtete Zeitrahmen liegt häufig bei zwei bis drei Jahren.

Aus denselben Threads stammen aber auch diese Stimmen: ein Nutzer mit über hundert Shellys im Produktivbetrieb seit 2018, der die Ausfälle „an den Fingern meiner Hände abzählen” kann. Einer mit rund dreißig Geräten seit Ende 2020 und genau einem Ausfall, teilweise bei 38 bis 53 Grad in Verteilerdosen. Und einer, der eine Ausfallquote von rund vierzig Prozent nennt.

Diese Spannweite ist die eigentliche Erkenntnis. Von „praktisch nichts” bis „vier von zehn”, und alle reden über dieselbe Produktfamilie. Foren haben dabei einen eingebauten Selbstauswahl-Bias, den man mitdenken muss: Wer zufrieden ist, schreibt selten ein Posting. Trotzdem erklärt Bias allein keine Spanne dieser Größe. Charge, Einbausituation und thermische Umgebung spielen offensichtlich eine große Rolle, und eine belastbare Ausfallrate kennt schlicht niemand, ich auch nicht.

Ein Datenpunkt gehört noch dazu, und er ist der sauberste, den es zu dem Thema gibt, weil er nicht aus einem Forum, sondern vom Hersteller kommt. Am 10.07.2024 wurde eine zusätzliche Kulanz für Gen1-Geräte kommuniziert: Tritt bei Shelly 1, 1PM oder 2.5 der Defekt im dritten Jahr auf, gibt es fünfzig Prozent Rabatt auf das entsprechende Nachfolgegerät der zweiten oder dritten Generation. Kein Ersatz, ein Preisnachlass. Man kann das in zwei Richtungen lesen, und beide sind zulässig: als Reaktion auf eine Häufung, und als Kundenorientierung, zu der niemand verpflichtet gewesen wäre.

Zur Frage, ob die neueren Generationen länger halten, muss ich passen. Die Threads diskutieren Generationsunterschiede kaum explizit, und mit den Quellen, die ich habe, lässt sich das nicht sauber belegen. Belegen lässt sich zweierlei: Die dokumentierten Ausfallberichte häufen sich um Gen1-Modelle, und der Hersteller gibt auf die neueren Linien längere Garantie als auf die alten. Zusammengenommen ist das ein Indiz. Ein Beweis ist es nicht, und ich werde daraus keinen machen.

Für die Praxis heißt das etwas ganz Unromantisches. Ein Shelly ist billig genug, dass Tauschen fast immer günstiger ist als Diagnostizieren. Bei zwanzig Geräten im eigenen Haus ist das eine Randnotiz. Bei zweihundert Geräten über vierzig Kundenanlagen wird der Servicewagen zum Geschäftsmodell, und zwar zu einem mit schlechter Marge. Das typische Fehlerbild macht es nicht besser: Wenn das Relais weiterschaltet und nur die Verbindung wegbleibt, merkt es weder der Kunde noch du, bis irgendwann eine Automation ins Leere läuft.

ESP32 und ESPHome: technisch solide, rechtlich der heikelste Fall

Ich mag ESPHome. Für Bodenfeuchte, Temperatur, Zählerauslesung und ähnliche unkritische Sensorik ist ein selbstgebautes Gerät eine völlig legitime, oft sogar die elegantere Lösung. Wer es anders darstellt, kennt die Plattform nicht.

Technisch gilt der ESP32 im Dauerbetrieb als deutlich stabiler als sein Vorgänger ESP8266, der öfter für periodische Neustarts bekannt ist; die Erfahrungen dazu finden sich im Arduino-Forum und bei ioBroker. Als praktische Stolperfallen tauchen dort immer wieder dieselben drei auf: die Qualität des Netzteils, die WLAN-Stabilität (mehrfach wird statische IP statt DHCP als spürbare Verbesserung beschrieben) und Flash-Schreibzyklen bei häufigen Schreibvorgängen.

Der wunde Punkt ist ein anderer. Wer ein Devboard kauft, es bestückt, in ein Gehäuse setzt und beim Kunden verbaut, wird selbst zum Inverkehrbringer. Die zwei Euro Gewährleistung auf das Board beim Distributor helfen dann niemandem mehr. CE-Konformität, Haftung, Ersatzteilverfügbarkeit über Jahre: alles bei dir. Ich gehe hier bewusst nicht tiefer in die Juristerei, weil ich sie nicht bis ins Detail recherchiert habe. Der praktische Kern reicht auch so: Die Bastellösung ist billig in der Anschaffung und teuer in der Verantwortung.

Die nützliche Frage ist deshalb nicht „gut oder schlecht”, sondern eine ganz konkrete: Was passiert, wenn genau dieses Gerät ausfällt, während der Kunde im Urlaub ist? Bei einem Bodenfeuchtesensor: nichts. Bei etwas, das eine Pumpe schaltet oder eine Tür betrifft: bitte Serienprodukt mit Herstellerhaftung.

Raspberry Pi: kürzeste Zusage, bekanntester Verschleiß, billigste Abhilfe

Die Garantie läuft hier über die Distributoren und liegt verbreitet bei einem Jahr, siehe die Warranty-Unterlagen von Farnell, eine Auskunft von element14 und die Diskussion im Raspberry-Pi-Forum, in der auch das Verhältnis zur EU-Gewährleistung durchgekaut wird.

Das ergibt eine schöne, unbequeme Pointe fürs Beratungsgespräch: Ausgerechnet die Zentrale der Anlage hat die kürzeste Herstellerzusage im ganzen Aufbau. Jeder Aktor in der Verteilung ist länger abgesichert als der Rechner, ohne den keiner von ihnen etwas Sinnvolles tut.

Der Klassiker beim Verschleiß ist die SD-Karte, und auch hier streuen die Erfahrungen extrem: von „seit über sechs Jahren nie ein Ausfall” bis zu mehreren verbrauchten Karten. Nachzulesen etwa im Photovoltaikforum, bei smarterkram und in einem Troubleshooting-Guide, in dem es heißt, in etwa achtzig Prozent der Fälle liege das Problem an der Stromversorgung oder einer beschädigten Karte. Auch das ist eine Community-Schätzung, keine Messreihe. Als Prüfreihenfolge im Störungsfall taugt sie trotzdem, und sie deckt sich auffällig mit dem, was die Loxone-Leute über ihre Karten schreiben.

Das Angenehme: Abhilfe ist bekannt und kostet fast nichts. SSD oder NVMe statt SD-Karte, oder gleich Hardware mit eMMC. Home Assistant Green hat eMMC an Bord; das Yellow mit M.2-Slot wird laut einer Vergleichsübersicht seit 2025 nicht mehr produziert, mit Verweis auf das Green als Nachfolger. Das ist eine Drittquelle, also mit dem üblichen Vorbehalt zu lesen. Wie der Umzug von SD auf SSD abläuft, ist gut dokumentiert und an einem Abend erledigt.

Wenn du für Kunden baust und die Zentrale noch von einer SD-Karte bootet, ist das die günstigste Risikoreduktion, die dieser ganze Text zu bieten hat.

Fünf Risikoprofile nebeneinander

Kein Ranking. Die Klassen lösen unterschiedliche Aufgaben, und die Tabelle sortiert nur, welche Art von Risiko man sich jeweils einkauft.

KlasseHerstellerzusage (Stand 08/2026)Typischer SchwachpunktRisikoart
KNXherstellerabhängig, z. B. 3 Jahre bei MDTRelais in Schaltaktoren, alte Elkosplanbar, mechanisch; Ersatzteile langfristig verfügbar
Loxone24 Monate laut AGB, Akkus/Displays kürzerSpeicherkarte, zentrale Spannungsversorgungbeherrschbar bei bekannten Schwachpunkten, hohe Herstellerabhängigkeit
Shelly2/3/5 Jahre je Linie laut Herstellerangabeberichtet: WLAN weg, Relais schaltet weiterStreuung; Bestandsrisiko bei großer Stückzahl
ESP32 / ESPHomepraktisch keine relevanteNetzteil, WLAN, FlashHaftung vollständig beim Integrator
Raspberry Piverbreitet 1 Jahr über DistributorSD-Karte, Stromversorgunghoch, aber billig und bekannt zu entschärfen

Was ich aus dem Ganzen mitnehme

Drei Sachen, und die erste ist die unpopulärste: Die Garantiedauer ist als Auswahlkriterium ziemlich wertlos. Sie sagt dir, wie lange du einen Karton zurückschicken darfst, nicht wie lange die Anlage läuft. Fünf Jahre Garantie auf ein Gerät, dessen Nachfolger es in acht Jahren nicht mehr gibt, sind weniger wert als drei Jahre auf ein Gerät aus einem Standard, der 1991 angefangen hat und noch immer rückwärtskompatibel ist.

Zweitens: Rechne die Lücke ins Angebot ein, statt sie zu ignorieren. Wenn du fünf Jahre haftest und der Hersteller nach zwei oder drei aussteigt, sind die restlichen Jahre eine Position mit einem Preis. Entweder du kalkulierst sie ein, oder du bezahlst sie später aus der Marge. Ein Wartungsvertrag ist der übliche Weg, das zu glätten; was so etwas kosten darf, habe ich an anderer Stelle durchgerechnet.

Drittens, und das ist mir bei der Recherche erst richtig aufgefallen: Bei den Klassen mit großer Streuung, also Shelly und Pi, ist das einzige praktikable Gegenmittel Bestandsübersicht. Nicht bessere Hardware, nicht längere Garantie. Zu wissen, welches Gerät wo seit wann hängt, und zu merken, wenn eines still verschwindet.

Denn der Unterschied zwischen einer Anlage, die zwanzig Jahre läuft, und einer, die nach vier Jahren zum Ärgernis wird, liegt selten am Fabrikat. Er liegt daran, ob jemand den Ausfall bemerkt hat, bevor der Kunde anruft.

DO
Denny Ovčar
Founder · ha-fleet-manager.com
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